Mobbing ist mehr als „Streit“

Elternabend Mobbing

Sozialpädagogin Sandra Bachmeier informierte Eltern. Für den diesjährigen Elternabend an der Grundschule hat der Elternbeirat in Abstimmung mit der Schulleitung den Vortrag „Mobbing – auch an der Schule“ ausgewählt. Das Thema interessierte offensichtlich die Eltern, denn Väter und Mütter waren am Donnerstagabend hierzu sehr zahlreich gekommen. Sozialpädagogin und Mediatorin Sandra Bachmeier aus Sünching ist im Rahmen von „JaS“ (Jugendsozialarbeit an Schulen) an einem Regensburger Förderzentrum tätig und brachte mit vielen Beispielen aus ihrer Tätigkeit die Problematik den Eltern sehr anschaulich näher.

 

Zunächst befasste sich die Referentin mit der Frage: Was bedeutet eigentlich Mobbing und erläuterte den Unterschied zu alltäglichen Streitereien und anderen Konflikten. Nach ihren Worten spreche man erst dann von Mobbing, wenn jemand einen anderen systematisch erniedrigt und schikaniert. Dies fange klein an und steigere sich im Laufe der Zeit ständig weiter. Mobbing könne in jeder Form von Gewalt – psychisch, physisch oder in Sachbeschädigung – ablaufen. Ein anderes Kennzeichen von Mobbing sei, dass es sich über einen längeren Zeitraum hinziehe, beispielsweise über mehrere Monate. Es sei außerdem ein Gruppenphänomen. Selten stehe nur ein Täter dem Opfer gegenüber. Vielmehr versuche dieser, schnell Mittäter um sich zu scharen und so den Druck auf das Opfer durch Mithelfer zu verstärken. Während ein „normaler Streit“ sich in der Regel auf gleicher Augenhöhe zwischen den Kontrahenten abspiele, sei Mobbing durch ein Machtungleichgewicht zwischen Täter und Opfer gekennzeichnet. Mobbing wolle ein Machtgefälle erzeugen. Dadurch habe das Opfer kaum die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft aus der Situation zu befreien, so Sandra Bachmeier, die dann speziell auf Mobbing in der Schule einging.

 

Nach ihren Worten kommt Mobbing – auch „Bullying“ genannt – unterschiedlich stark in fast allen Klassen gleich welchen Schultyps vor. Statistisch wird eines von 25 Kindern zum Opfer. Besonders in der Phase der Pubertät, also in den Klassen fünf bis sieben, erreicht Mobbing den Höhepunkt. In höheren Klassen sinken die Fallzahlen wieder. „Grundsätzlich gibt es keine mobbingfreien Zonen. Am Arbeitsplatz sind die Fälle besonders hoch,“ betonte die Referentin, die dann auf Cybermobbing einging. Seit der Verbreitung der sogenannten neuen Medien sei dies enorm angestiegen und die Hemmschwelle stark gesunken. Oft blieben die Täter – nicht selten aus dem eigenen Umfeld – dabei anonym. Die zahlreichen sozialen Netzwerke im Internet oder über Handy ermöglichten dies. Darum sollten die Eltern sich nicht scheuen, die Nutzung solcher Netzwerke durch die Kinder zu kontrollieren und gegebenenfalls auch die Polizei einzuschalten.

 

Besonders gefährdet ein Mobbingopfer zu werden, sind erfahrungsgemäß Kinder, die kleiner oder schwächer sind als der Durchschnitt, übergewichtig sind, eine Behinderung oder eine äußere Auffälligkeit, zum Beispiel schielen, aufweisen, sehr ängstlich und schüchtern sind, aus einem Elternhaus entstammen, in dem ein überbehütender Erziehungsstil gepflegt wird oder sozial nicht akzeptierte Merkmale – etwa über keine Markenkleidung verfügen – haben.

 

Dann nannte Sandra Bachmeier eine Reihe von Anzeichen, die auf Mobbing bei einem Kind hindeuten können. Wirke ein Kind auf einmal niedergeschlagen, pflege es kaum mehr außerschulische Kontakte, sei es häufig krank oder schwänze es die Schule, zeige sich ein deutlicher Leistungsabfall, klage es über Schlafstörungen, Bauch- und Kopfschmerzen, wirke es depressiv, passiv oder nervös oder möchte es sogar gerne von sich aus die Schule wechseln, dann sollten die Eltern hellhörig werden und die Ursachen herauszufinden versuchen.

 

In ihren weiteren Ausführungen erläuterte die Referentin die Rollen in einem Mobbing-Prozess. Der Initiator will durch sein Vorhaben mehr Macht in der Klassengemeinschaft erreichen und sucht sich daher einige Unterstützer, um gemeinsam dem Opfer zuzusetzen. Die übrigen Mitschüler bilden eine „schweigende Mehrheit“. Die Gründe dafür sind beispielsweise, nicht als „Petzer“ gebrandmarkt zu werden oder die Angst, mit dem Täter und seinen Helfern Ärger zu bekommen.

 

Diese „schweigende Mehrheit“ in der Klasse sei, so Sandra Bachmeier, aber wichtig, wenn es darum gehe, bei einem Mobbingfall zu intervenieren. Sie müsse als Gruppe aktiviert werden, damit sie sich für das Opfer einsetzt. Dazu dienten Gespräche, die eine Solidarisierung mit dem Opfer zum Ziel hätten und zu einer Verhaltensänderung beitragen. Dabei sollten ganz konkrete Maßnahmen von den einzelnen Mitschülern ergriffen und darüber auch Rechenschaft abgelegt werden.

 

Parallel hierzu muss das Mobbing aufgedeckt werden und auch dem Schulleiter gemeldet werden. „Mobbing muss zur Chefsache werden,“ betonte die Sozialpädagogin, „und schulische Sanktionen für den Initiator und seine Unterstützer müssen folgen. Daneben sind feste Vereinbarungen zu treffen, gegebenenfalls muss Wiedergutmachung verlangt werden und es muss kontrolliert werden. Bei Mobbing darf es keine Toleranz geben. Da muss die Schule starke Geschütze auffahren!“

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