Viele Wege führen zum Ziel

Viele Wege führen zum Ziel

Infoabend an der Grundschule über das bayerische Schulsystem.

 

Die beiden Rektoren Manfred Plomer von der Grund- und Mittelschule Mallersdorf-Pfaffenberg und Rektor Georg Beutlhauser von der Grundschule Laberweinting haben am Donnerstagabend zu einem gemeinsamen Vortragsabend eingeladen. Hauptreferentin war Beratungslehrerin Martina Beck (Grundschule St. Jakob in Straubing), von der die Eltern der jetzigen Drittklässler ausführliche Informationen über das bayerische Schulsystem und seine vielfältigen und untereinander durchlässigen Bildungswege erhielten.

 

Schulleiter Georg Beutlhauser wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn der jetzigen Drittklässler in einem Jahr – also im Laufe der 4. Jahrgangsstufe – getroffen werden müsse. Dies gelte nicht nur für das Gymnasium, sondern seit etwa 15 Jahren auch für die Realschule und die Mittelschule. Leider entstehe dadurch schon in der Grundschule ein nicht geringer Druck auf die Kinder. So müssten in der 4. Jahrgangsstufe insgesamt 23 schriftliche Leistungsnachweise von diesen erbracht werden. Ein Übriges tue nicht selten, wenn auch oft verborgen, die Erwartungshaltung der Eltern, die ihr Kind auf einem möglichst angesehenen Bildungsweg sehen möchten, in der Absicht, ihm dadurch für seine berufliche Zukunft etwas Gutes zu tun.

 

Ein Grundproblem sei, dass man bei der Übertrittsentscheidung zu weit vorausschaue und überwiegend den Schulabschluss im Kopf habe, gab Schulleiter Georg Beutlhauser zu bedenken. Es sei vielmehr wichtiger, eine Entscheidung für den Moment zu treffen. In welche Schule passt mein Kind im Moment am besten? In welcher Schule kann es Erfolge erzielen und sich weiterentwickeln? Jedenfalls müsste es ein gemeinsames Ziel von Eltern und Schule sein, mit mehr Gelassenheit in die vierte Jahrgangsstufe zu gehen und den Druck so klein wie möglich zu halten. Dazu sollte auch der Vortrag von Beratungslehrerin Martina Beck dienen, der zeigen würde, dass man auf Grund der Durchlässigkeit des Schulsystems jedes Jahr den Schulweg des Kindes verändern könnte.

 

Zahlreiche Schularten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Anforderungen, Zielen und Geschwindigkeiten gibt es in Bayern und diese stellte die zuständige Beratungslehrerin Martina Beck dann auch in Grundzügen vor. Die für das jeweilige Kind geeignete Schulart müssten die Eltern auswählen. Ausgehend vom Bild eines Berges, auf dessen verschieden hohe Gipfel unterschiedlich lange und unterschiedlich schwierige Aufstiegswege führen, wurde deutlich gemacht, dass es vor allem wichtig sei, den individuellen Weg in der Schulbildung zu finden.

 

Im bayerischen Schulsystem gibt es nach den Worten der Beratungslehrerin keinen Abschluss ohne Anschluss; das heißt, jeder Schulabschluss eröffnet Chancen auf weitere Bildungswege. Selbst ein Hauptschüler kann über die berufliche Bildung und entsprechende weitere Schulen mit Einsatz und Durchhaltevermögen die Berechtigung zu einem Studium erlangen. Sogar nach erfolgreich abgelegter Meisterprüfung in einem Beruf kann man an einer Fachhochschule beispielsweise ein Ingenieurstudium absolvieren. So sagt die Statistik, dass derzeit 41 Prozent der Studierenden an Universitäten und Hochschulen diese Berechtigung über berufliche Schulen erworben haben und nicht über das Gymnasium.

 

Als wesentliches Merkmal des bayerischen Schulsystems nannte Martina Beck dessen Durchlässigkeit. Zur Erleichterung an den Übergängen sind dabei individuelle Fördermaßnahmen an Mittel- und Realschulen, Intensivierungsstunden und Einführungsklassen an Gymnasien sowie Brückenangebote und Vorklassen an Fach- oder Berufsoberschule vorgesehen. Erste Ansprechpartner für Fragen zur Schullaufbahn eines Kindes sind die Klassenlehrkräfte der Grundschule. Sie kennen das Lernverhalten des Kindes und seine Begabung aus dem täglichen Umgang miteinander und schätzen diese aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihrer Vergleichsmöglichkeiten objektiver ein als die Eltern oft selber.

 

Die Beratungslehrerin kam am Ende ihres Vortrages wieder auf das Ausgangsbild zurück. Viele ganz verschiedene Wege mit allen möglichen Abzweigungen führten zu ganz verschiedenen Gipfeln. Dies gelte letzten Endes genauso für das bayerische Schulsystem. Rektor Manfred Plomer von der Grund- und Mittelschule Mallersdorf-Pfaffenberg griff in seiner Stellungnahme dieses Bild auf und meinte, dass diese Durchlässigkeit auch an seiner Schule mittlerweile zum Alltag gehöre. Er bekomme Rückläufer aus den anderen Schularten. Andererseits passiere es auch immer wieder, dass Schüler aus der Mittelschule in andere Schularten übertreten und dort entsprechende Abschlüsse schaffen. Als künftige Besonderheit seiner Mittelschule stellte Rektor Plomer die sogenannte „Band-Klasse“ für Kinder aus der 5. und 6. Jahrgangsstufe vor. Bei einer Stunde mehr Musikunterricht können diese ab kommendem Schuljahr kostenlos ein Musikinstrument zum gemeinsamen Musizieren erlernen.

 

Bild:

Rektor Georg Beutlhauser, Beratungslehrerin Martina Beck, Konrektorin Michaela Schneider und Rektor Manfred Plomer (von links) informierten die Eltern von Drittklässlern über das bayerische Schulsystem.

 

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